Samstag, 1. September 2012

CampenamstranD

Strand in Nowshahar
Der Iraner an sich ist Zeltfetischist. Das ist nicht an der Kleidung zu erkennen - da sind die Pakistanis besser, sondern eher daran, dass er immer und überall zeltet. 
In Tabriz eskalierte die Situation wohl, weil drei Tage zuvor ein heftiges Erdbeben der Region 250 Tote beschehrte und zwei Stunden vor unserer Ankunft ein weiteres Beben die Menschen in Angst versetzten. Die Stadt war übersäht mit Wurfzelten, weil Zelte in dem Moment mehr Schutz als Häuser boten.
der Morgen danach
Aber trotz alledem, sonst bieten sie Lebensqualität und sie stehen überall im Land - unterschieden nur durch die Farbe: auf nahezu jedem Stückchen Grünfläche, auf dem Seitenstreifen einer Autostraße, auf dem Gehweg einer Stadt, in einer Haltebucht an der Ladstraße, in einer Lücke zwischen zwei parkenden Autos. Es wird gezeltet. Wild. Bei uns unvorstellbr.
Wahrscheinlich hat die Regierung irgendwann, um dies im Zaum zu halten, „Campingplätze“ errichtet, die großflächig, kostenfrei und mit Sanitären Anlagen versehen ist. In meinen Augen ein Stück Freiheit, die es bei uns nicht gibt.

Außerdem ist der Iraner an sich Nachtaktiv.

Strand um dreiundzwanzig Uhr in Nowshahar. Stefan schläft schon lange.

Rechts neben mir wir Volleyball gespielt. Die Kleine hat ihr Kopftuch abgelegt und schmettert die Bälle kraftvoll ihrem Dad um die Ohren. Zwei Meter links neben mir, ist die Gebetsstunde zu Ende, der Grillduft hängt noch in der Luft und die Familie speist, während die Kleinen munter brabbeln. Hinter mir ist die Kohle der Shisha jetzt genügend angewirbelt, der angenehme Duft mischt sich zum Fleisch von nebenan und die Jungs sitzen gemütlich schmauchend drumrum. Eine neue Gruppe Menschen läuft bepackt mit Samowar und Wasserpfeife an mir vorbei und sucht noch ein Plätzchen.
Permanent knattert ein Moped oben an der Straße vorbei, die Autos stauen sich und parken mittlerweile in zweiter Reihe, ohne sich daran zu stören, dass irgend jemand möglicherweise nicht ausparken könnte. Das scheint auch niemanden in irgend einer Weise zu interessieren, wahrscheinlich sind alle morgen noch da. Der Bürgersteig zwischen Straße und Strand ist in Millimeterarbeit mit aneinandergereihten Wurfzelten bestückt. 
Hier sind die Iraner den Franzosen haushoch überlegen, denn scheint es in Frankreich nur eine Outdoomarke zu geben, so scheint es her nur eine Zeltart zu geben. So vermindert man Neid und so fallen die zwei exotischen Behausungen von Stefan und mir sofort ins Auge. Außerdem scheinen die Iraner nicht nur auf dem Autos Perfektionisten im Packen und stapeln zu sein. Tetrismäßig wird jede noch so kleine Lücke, wie bis eben noch neben Stefans Zelt, sofort mit dem Teppich von neuen Nachtschwärmern gefüllt.

Die Familie, die sich neben Stefan einquartiert hat, erwischte mich eben am Moped, als ich ein Objektiv rausfischen wollte. Ich hatte lange überlegt (mindestens so lange, wie kurz vorher, ob ich wirklich komplett bekleidet schwimmen gehen sollte) ob ich mein Stativ zum Fotografieren wirklich auspacken sollte. Der Mann hielt sich fassungslos den Kopf, als er erfuhr, dass ich aus Deutschland bin, zerrte direkt seine ganze weibliche Sippe aus dem Auto, stellte mich vor und machte Fotos. Und obwohl wir uns nicht, aber auch gar nicht verständigen konnten, war es mir unmöglich ein Bild mit dem bereits aufgebautem Stativ zu machen, weil fünf Frauen, samt ihm um mich herumstanden, redeten, lächelten und wenn dann auch wirklich nichts mehr zu besprechen war auf die Einstellungen auf meinem Display schauten. Die Situation rettete dann auch nicht der herbeigerufene Shisharaucher von Stefans anderer Zeltseite, der zwar drei Worte englisch sprach, aber eben nicht die nötigen.

Grillstände am Strand
Überall steigt Grillrauch zum Himmel, überall sitzen Gruppen von friedlichen Menschen, spielen Kinder Ball oder flitschen leuchtende Ringe in die Luft, Menschen scherzen, lachen, quatschen, ich versteh nix fühl mich aber trotzdem wohl. Ringsherum am Strand stehen Zelte, wirbelnde Shishakohle bringt Straßenkünstlerathmosphäe und, von Zeit zu Zeit jagt ein Moped über den Strand - Zack – ein Ball gegen mein Zelt. Die Kinder suchen ihn, wuseln um mein Zelt und das vielleicht 10-jährige Mädchen sagt freundlich „I´m sorry“. Wir suchen den Ball, bis es von schräg gegenüber tönt: „Inside. inside“
Im Meer tummeln sich immer noch Badende. Männer natürlich halbnackt und Frauen völlig bekleidet. Mein Versuch eben auch schwimmen zu gehen, ließ mich nur sehnsüchtig an mein letztes nackt baden in Van denken sondern es führte auch dazu, dass mein Zelt von der nassen Garderobe unter Wasser steht und die Jeans morgen bestimmt immer noch zwei Kilo Nassgewicht hat. Ein Blick verrät, dass jetzt Wellen aufgekommen sind, der Spaß würde sich also jetzt potenzieren aber der Gedanke an den Aufwand lohnt das Vergnügen nicht. Das ist echte Scheiße an dem Land.
Der fast englischspechende Shisharucherkommt vorbei und drückt mir einen Zettel mit seiner Telefonnummer in die Hand und erklärt ganz selbstverständlich, dass er in Kashan wohnt, und dass wir ihn unbedingt besuchen sollen, wenn wir dort vorbeikommen. Um die Einladung zu untermauern hat er seinen Bruder im Schlepptau, der etwas besser Englisch spricht und der drückt mir unverzüglich und noch ehe ich noch irgendwas sagen kann sein Handy ans Ohr, damit ich mit seiner Schwester in Kashan reden kann. Ich bin platt. Die fackelt auch nicht lange rum, diktiert mir auch noch ihre Nummer, lässt sie profimäßig von mir wiederholen und beendet das Gespräch mit den Worten: „See you tomorrow. I wait for you“. Die Jungs von gegenüber bekommen mit, das ich aus Deutschland bin, kommen kurz rüber, stellen sich vor, wünschen alles Gute und gehen wieder.

Woher kommt diese Gastfreundschaft, diese respektvolle Nähe, denn keiner hat mir jemals das Gefühl gegeben aufdringlich zu sein. Auch die Brüder verabschieden sich freundlich und verschwinden, kein langes Gerede, so das es mich all zu lange beim Tippen stören könnte.

Ich erinner mich an die Horde gutsituierter Mittzwanziger, die mit ihren fetten Autos heute nachmittag vor mir parkten, als Stefan kurz Cola holte. Ich lag träumend im Gras, als die acht Frauen und Männer plötzlich um mich standen, mein Moped fotografierten und auf mich einedeten. Mein Hirn signalisierte Gefahr, was es aber nicht war, sondern nur freundliche Neugier, denn nach einem ausgiebigen Fotoshooting mit jedem und jeder mal, fuhren sie von dannen.
Und genauso die andere Nobelkarosse, die neben hielt während die Insassen fröhlich winkten und den Daumen hoch hielten, und dann ein Stück weiter parkte. Normalerweise wird einem dann mulmig. Wir aber denken uns nichts dabei und auf einmal kommt ein älterer Herr in weißem Hemd zu uns und schenkt uns eine Tüte mit gebrannten Mandeln, gratuliert uns zu dem Trip und verschwindet wieder.
Oder der Melonenverkäufer, der an einem Parkplatz in den Bergen neben uns hält, uns die besten Weintrauben mit einem zahnlosen Lächeln und mehren wohlwollendem Kopfnicken in die Hand drückt, seinen Kleinlaster wieder startet und verschwindet.
Oder das Päärchen an der Tanke, wo wir uns extra um die Ecke stellen, um in Ruhe nur eine Cola zu trinken. Sie fahren an uns vorbei, grüßen, halten, wollen ein Foto machen und schenken uns Gebäck... und dann hält auch schon der Nächste, der uns zwar nichts schenkt, aber uns im astreinen Englisch eine Potenzierung der türkische Wegbeschreibung liefert, nach der wir überhaupt nicht gefragt hatten.

Das gibt’s doch nicht. Kaum hat die Gebetsfamilie neben mir ihr Geraffel zusammengepackt, steht das nächste Zelt mit Kleinfamilie da. Mittlerweile ist es Mitternacht, aber der Kocher wird angeschmissen und der Grill wieder angeheizt und das Arrangement von Basmatiduft und Kebap weckt mein Hungergefühl empfindlich.




Die Kehrseite der Medallie: Abgetrennter  Frauenereich      
Ein Gedanke an Hamburg schwirrt mir durch den Kopf. Als ich dort an einem lauen Frühlingstag mit Ben und Davy um die Alster fuhr trafen wir einen Iraner. Er saß mutterseelenallein am See, inmitten von Bergen an Essen, hatte sich seinen Grill angeschmissen, aß, trank und genoss die Sonne. Es lud uns zum essen ein und erzählte, dass er sein Land vermisse. Jetzt, wo ich hier sitze, inmitten der grillenden Familien, kann ich seine Einladung verstehen und auch in bisschen seine Sehnsucht.

WasiststolZ

Noch am Anstiegsweg zum Camp I

Die Tour auf den Ararat ist der Hammer. Seit vier Wochen keine Bewegung außer den Mopedlenker gegen Wind stemmen, hab ich mich auf mein Hirn verlassen, das sich in Extremsituationen daran erinnert, dass ich sportlich und fit bin. Das hat bisher immer in den Alpen funktioniert und mir letztes Jahr auch immerhin die Besteigung des Toubkal von 4200 m Höhe in Marokko ermöglicht. Da hatte ich auch vier Wochen nichts getan.
Der Ararat ist anders.


Verlegenheit macht frech... Nomadenjungs
mein Zeltplatz auf 4200 m

Camp I - Effes auf 3600m, das Gipfelbier ist noch weit
Sind mir die Teilnehmer anfangs noch zu langsam und ich kann trotz Zigaretten und Bierkonsum während des Aufstiegs noch Liedchen trällern und Unterhaltungen führen, komm ich am letzten Tag an meine Grenzen. Ich schlafe kaum, weil der Wind ununterbrochen tobt, besonders nachts. Das Zelt biegt sich auf meinen Körper und der Lärm dringt durch meine Ohrstöpsel, die sonst 20 Perkussionisten nahezu zum Schweigen bringen können.
Wir stehen um zwei Uhr morgens auf und um drei Uhr wird ab 4200 m Höhe losmarschiert. Die Luft ist dünn, das Thermometer zeigt Null Grad und ich keuche bei jedem Schritt. Ich denke nur an den Toubkal; „Kiki, da bist du ohne Führer ohne Karte und ohne Begleitung rauf. Wenige Momente der Luftknappheit und des Schwindels hast du locker weggesteckt. Du hast am Abend vorher geraucht. Was ist jetzt los?“
Ich hechel wie ein Walross mir drei Tonnen Lebendgewicht, fange an mir Sorgen zu machen wegen dem eisigen Wind, den vereisten Steinen und den Geröllfedern.
Sonnenaufgang gegen 6 Uhr nach drei Stunden Marsch

 Nach zwei Stunden bitte ich um Rast. Ich brauche Nahrung, denn Frühstück um zwei Uhr war nicht mein Ding. Der heiße Tee, dank Stefans Flasche ist eine Wohltat und langsam geht auch endlich die Sonne auf. Aber sie hilft nur den Weg besser zu erkennen, die erhoffte Wärme bleibt noch aus. Kurz darauf werden die Steigeisen angelegt und es geht über Schneefelder weiter, die so vereist sind, das man jeden Schritt heftig in den Grund stemmen muss. Der Wind macht mich wahnsinnig und ich habe keinen Blick für den blauen-rosanen Himmel über dem glitzernden Eis. Zugeschnürt und vermummt gegen den Sturm, wird der Mundschutz der Jacke so fest gegen Mund und Nase gepresst, dass es mühselig ist, das bisschen Sauerstoff hier oben in die Lungen zu ziehen. Würgegriffe können kaum schlimmer sein. Meine Finger sind unbeweglich und taub, trotz der dicken Handschuhe. Eine erste Gruppe kommt uns entgegen, weil sie beschlossen haben, dass der Auftstieg wegen dem Wind unmöglich ist. Na prima - jetzt kommen mir erste Bedenken und das Kopfkino mit Bildern vom Film „Nordwand“ machen die Situation nicht besser. Keine guten psychischen Voraussetzungen.

Dann kommen wir zum Kamm, den wir auf der Spitze überqueren müssen. Es geht zwar nicht rechts und links steil runter, wie ich befürchtet habe, aber der Wind legt zu. Losgerissene Eisstücke, teilweise groß wie Schallplatten flitzen durch die Luft, nutzen den Kamm als Sprungschanze für den Angriff auf uns. Die kalten Geschosse fliegen uns teilweise bis zur Kopfhöhe wie Butterflymesser um die Ohren. Die Dinger tun schon weh, wenn sie unausgewachsen gegen die Beine und Arme schnellen, Was richten die großen Schollen auf Halshöhe an. Der Spuk in meinem Kopf geht weiter. Nur ganz kurz kann ich der Situation etwas Schönes abgewinnen, dass erkläre ich wieder alles zum Wahnsinn. Wir setzten weiter einen Schritt vor und taumeln im gleichen Moment drei zurück. Da kostet Kraft, ich schwöre nie wieder zu rauchen und jeden morgen zu joggen.
Eine zweite Gruppe kommt uns entgegen – aufgegeben.
Ich will nicht mehr. Ich weiß wirklich nicht, was die ganze Scheiße hier oben soll. Ich will meinen Liebsten wiedersehen und meine Reise weiterführen. Wem zum Teufel muss ich hier was beweisen? Fotos machen ist unmöglich, Aussicht genießen aussichtslos und meine Finger spür ich seit Stunden nicht mehr.
Ich äußer meine Gedanken laut. Das kostet Kraft. Innere. Ich geb eigentlich nicht auf.
Thomas will weiter, Stefan schweigt und wir drei einigen uns, dass unser Führer mit uns absteigt und die schon in Sichtweite antrottende nachfolgende Gruppe Thomas mitnimmt. Immerhin sind wir seit drei Tagen gemeinsam aber in zwei Gruppen unterwegs, weil die Schweitzer sich ihren Personal-Guide leisten wollten und auch langsamer gehen.
Eine gute Lösung, so bleibt mir nur der eigen Frust der Aufgabe und nicht das Gefühl für das Scheitern der Anderen verantwortlich zu sein. Stopp: nennen wir es Planänderung statt scheitern.
Aber es kommt anders. Die Schweitzer Gruppe nimmt Thomas mit. Stefan schließt sich zu meiner Verwunderung auch an, obwohl ich seit dem ersten Tag nur quälenden Kampf in seinem Gesicht gesehen habe und ich Stein und Bein geschworen hätte, dass er es nicht packt.
Und ich kann es nicht verknüsen alleine abzusteigen. Trotz dem Hass auf die Situation drehe ich auch um und hole alle wieder ein. So geht das nicht. Ist es Stolz? Selbstachtung? Überwindung? Ich weiß es nicht und ich versteh es auch nicht.
Muss ich auch nicht, denn es ist unglaublich und irgendwas ist anders: Der neue Bergführer nimmt einen etwas anderen Weg, die Schweitzer bilden eine harmonisch Einheit, wir drei Gestalten sind gebeutelt aber Willensstark. Keine Ahnung, aber wir gehen. Der etwas andere Weg nimmt dem Wind die massive Kraft, so das man wie in Trance Schritt um Schritt laufen kann, ohne permanent zurückgeworfen zu werden. Ich folge den ersten Beiden, denn sie gehen mein Tempo, der Rhythmus stimmt, die Harmonie birgt Ruhe, durch meinen Kopf summen meditative Klänge, ich bin am Ende, aber es läuft. Nicht ich – irgendetwas läuft.
5165 m
Und irgendwann seh ich eine kleine Fahne. Soll diese lächerliche kleine zerfledderte Ding in der Schneewüste das Gipfelkreuz sein? Dafür der Kampf?
Nein. Dafür gekämpft, dass ich wirklich oben angekommen bin. Stolz recke ich den Arm in den Sturm während ich mit der anderen die Fahne umfasse. Irgendjemand fotografiert. Es wird sich gratuliert.
Aber irgendetwas ist falsch - ich bin nicht stolz.
Ich hab nicht das Gefühl wie auf dem Toubkal, den ich allein ohne Bergführer und Karte bezwungen hab. Nicht so hoch, nicht so kalt, nicht so berühmt nicht so spektakulär. Aber da war ich mit mir da. Und jetzt fehlt irgendwas.
Tage später kann ich es fassen.

Tage später liege ich an dem spiegelglatten wunderschönen Balik Gülü, einem Bergsee, von dem so viele geschwärmt haben, in der Nähe des Ararat. Lächerliche 2200 m hoch, winzige 70 km vom Campingplatz entfernt, unspektakulär mit dem Moped hingefahren umgeben von ruhigen, sanften Bergen, die eher zum Sonntagsspaziergang statt zm Abenteuer einladen, in der warmen Sonne.
Rike - bei dem Bild muss ich an deine Worte denken
Und doch bin ich glücklicher als auf dem Gipfel des monströsen Nachbarberges, der mit seiner schneebedeckten Spitze immer noch über die Weite grüßt. Ich sitze am See, picknicke Brot mit Suçuç und Tomate, schaue in die ferne, nehme die Stille in mir auf und langsam versteh ich warum ich jetzt ein Gefühl von Stolz habe: Ich hab es allein gemacht – war nicht fremdbestimmt.
Ich hab mich durchgefragt, wie der See heißt und wo er liegt. Ich bin alleine hingefahren, nach 20 km von der Straße ab und über Asphalt, der seinen Namen nicht verdient, durch Baustellen, die kein Ende versprachen, durch Dörfer, die nach Ende aussahen,

 Wege, die Highways für Ziegen aber nicht für Mopeds sind und Auffahrten, in denen mir schlagartig bewusst wird, dass ich ohne Schutzkleidung unterwegs bin, immer der Nase nach und immer wieder gefragt. - Ich hatte niemanden der mir den Abmarschtermin für den nächsten Morgen nennt, der die Route kennt und der mich führt, der mir ein Lunchpaket schmiert, der die mobile Küche vor Ort aufbaut und der sagen kann, was hinter der nächsten Kurve kommt.

Ich habe mit zahnlosen Frauen geflirtet und mit jungen Burschen auf dem Pferd Fische bestaunt. Ich habe mit einem Hirten Fotos gemacht und mit den Einwohnern eines ganzes Dorf, was wohl vom Scheiße-dörren lebt, gelacht.

 
  Ich hatte niemanden, der den organisierte Chai-trink-stopp im Nomadendorf bei seiner Mutter ankündigt, in dem letztendlich alle zahlenden Touristengruppen abgeladen werden. Alle bekommen ihren Chai serviert, dürfen auch gerne mal ein Foto schießen und insgeheim wird von Mama-Nomade doch ein aussagekräftiges Bakshish für die gespielte Gastfreundschaft erwartet wird.
Ich hab die Gesichter gesehn...


Nicht falsch verstehen, ich habe jede Minute der Ararat-Tour genossen, aber Glück oder Stolz  wird für mich aus einer anderen Quelle genährt.

Zwischenkirche&pornO


Die einzigartige Tufflandschaft Kappadokiens mit ihren märchenhaft-bizarren Felsformationen, die von Zuckerhüten bis Phalli reichen und sowohl die Lust auf Feuerzangbowle als auch auf Sex anregen, sollte eins meiner Must-See-Traum-Ziele werden. Dass hier auch ganze unterirdische Städte mit einem verwirrenden Gängesystem Tausenden von Christen monatelangen Unterschlupf boten, habe ich erst vor Ort mitbekommen. Eine faszinierende Welt, in der es sich lohnt tagelang herum zu streunern und von der ich sage... drei Tage waren echt zu wenig.

Göreme vom Campingplatz aus  - geeeeil
Nachdem wir hier den ersten Vormittag mit Staub-fressen, Darm-pflege und Seele-ordnen auf dem Camping verbracht haben, stürzen wir uns nachmittags auf die erste Touristenattraktion: das Göreme-Museum. Den touristischen HotSpot mit seinen in Tuff gehauenen und ausgehöhlten Kirchen und Kapellen, durchstreifen wir etwas quälend, da wir sowohl mit der Hitze als auch mit der Darmgeschichte kämpfen. Die Masse an Highlights auf kleinem Raum hat es zwar zum Weltkulturerbe gebracht, überfordert aber einfache Menschen wie mich maßlos. Ich denke an ein Restaurant mit seitenweiser Auswahl, was mir mehr Qualen als Freude bereitet. 

Die erste Kirche haben wir auf dem Weg zum Museum für ein fettes Eintrittsgeld bestaunt und sie hat mich wegen ihrer Fremdartigkeit noch fasziniert. Ich frage mich zwar ob ich für den minimalistischen Blick auf sechs qm Fläche mit abbröckelnden Fresken gezahlt habe oder dafür, das mich der Kirchwärter permanent mit einem heiligen Flügelwesen vergleicht, mir dabei mit seinem vom Ramadan gebeutelten Mundgeruch sein Lachen entgegen schleudert und mich dabei unheilig an den Flügeln antatscht. - 

Beeindruckt hat mich diese Kirche aber dennoch. Gebaut für ein unbekanntes Fabelwesen, eingebettet in eine Landschaft, die surreal und phantstisch Michal Endes Film „Die unendliche Geschichte“ als Drehort gedient haben kann, stelle ich mir kleine Zwergen und Feenwesen vor, die in diesen unterschiedlichen Zuckerhüten ihre geistigen Zusammenkünfte abhalten. Die Idee gefällt mir, und so lass ich mich auf die Vorstellung nur gerne ein. An eine Kirche erinnert nur der innere aus dem Fels rausgehauene Grundriss im Bonsaiformat, und die Wandmalereien.

 
Und dann im Gegenzug dazu streunen wir mit dem Gefühl der Übersättigung wie bei einem All-U-Can-Eat-Buffet durch das Museum, quälen uns in der Affenhitze von Apfel-Kirche zu Schlangen-Kirche, dürfen hier nicht fotografieren und dort nicht berühren und zu Trinken zu kaufen gibt’s auch nix. Ich freue mich als ich endlich eine geistige Eselsbrücke in die Heimat ziehen kann, so wie man sich nach langer Zeit in Drittweltländern über das goldene M freuen kann. (Man vermisst die ganze Zeit über nicht und muss dann trotzdem lächeln, weil man es doch so gut kennt.) Ich lese, dass der abgebildete Onuphrius der Schutzpatron der Stadt München ist und der, weil als wunderschöne Frau zu liebestoll, in einen hässlichen Mann verwandelt wurde. Na das ist doch mal was Handfestes für mein hitzegebeuteltes Gehirn. Foto verboten und außerdem schließt das Museum jetzt. So isses. Ich fühle mich wie im Arbeitsalltag, wenn ich meine gehasst-geliebten To-Do-Listen abhake und es dann endlich Zeit fürs Bett ist. Zwangsentspannt.

Höhlenwohnung für ein Foto lang mein heim ;-)
untrerirdiche Stadt
Wie locker begegnet mir da der nächste Tag. Ich ziehe mit Kamera zum Frühspaziergang auf den nächsten Berg, frühstücke, packe danach gemütlich meine Koffer ab und fahre Richtung Derinkuyu. Stefan ist nicht interessiert und widmet sich lieber seinem Laptopproblem. So kann ich frei von jeglicher Fremdbestimmung (die Busladungen Japaner hab ich ausgeblendet, die fremdbestimmen hier leider jeden Touristenort) losfahren und ich genieße jede einzelne Minute des Allen-seins. Ich schlender durch die unterirdische Stadt und bin begeistert davon, dass hier monatelang ein völlig isoliertes aber vollwertiges Leben einer ganzen Bevölkerung stattgefunden hat. Auf acht Stockwerken wie riesige Tiefgaragen gibt es vom Stall und Partyraum über Bibliothek, Küche und Kirche alles, was zum Überleben notwendig war. Getoppt wird alles von einem ausgeklüngelten Belüftungssystem, was sogar in der tiefstn Kammer für frische Luft sorgt und einem Geheimgang zur Nachbarstadt. Wow! Wen beeindruckt da noch Burj Khalifa in Dubai.



Anschließend fahre ich kleine Straßen über Hochplateaus, die sich dann unvermutet in Canyons herabwinden, vorbei an Aprikosenplantagen, von denen ich mächtig mopse, hin zu einer weiteren Kirche. Bei der lande ich zufällig und die steht in einem atemberaubenden Felssystem mit kleinem Garten, durch dass ich herrlich kraxeln kann und was mich ein bisschen an meine AlpenKletterFreunde erinnert.
Abends treffe ich auf einen glücklichen Stefan, weil sein Lappi läuft. Und zur Feier des Tages hat er den Tisch schon mit KartoffelMöhrenSchonkost gedeckt, was nicht nur meinen Darm entzückt sondern vor allem auch den Campingplatzbesitzer. Seit dem gilt Stefan bei ihm als Traummann.
Schade nur, dass ich aus Vernunft jetzt auf mein Effes verzichte. Nach so einem Tag gehört es auf den Tisch – aber leider zz nicht in meine Darm.

Tags darauf ziehen Stefan und ich gemeinsam aber etwas orientierungslos los, weil wir die geplante Wanderung wegen den Temparaturen kurzfristig abgeblasen haben. Und hier kommen zum erstenmal recht deutlich unterschiedliche Interessen durch. Währen ich lieber zu Fuß unterwegs wäre, weil ich Bewegung brauche, bevorzugt Stefan das Moped, weil der Fahrtwind dann kühlt. Ein verzweifelter Versuch daraus ein Endurowandern zu machen (Kompromisse sind einfach Scheiße!), führt nach Stefans Plan in gepflasterte engen Sackgassen und bei meinem Vorfahrversuch zwar zu ein paar netten Bildern, aber auch nur zu einer nahegelegenen Baustelle. Wir sind beide genervt. 


Wir einigen uns auf ein paar touristische Attraktionen, was aber auch nicht so leicht fällt. Den nächsten skurrilen Berg mit in Stein geformten Fabelwesen durchstreife ich, während Stefan von unten sein Fotoequipment auspackt. Beim nächsten Ort möchte ich direkt wieder auf den Gipfel und Stefan in den Schatten. Einig sind wir nur darüber, dass die Japaner zu dominant und die Preise zu hoch sind. Aber wir trennen uns trotzdem für den Tag und ich atme durch.

Es folgt ein selbstbestimmter Versuch eine kleine Schlucht zu durchwandern, der allerdings in der Mitte derselbigen schlagartig endet, weil ich auf einmal merke, das mein Mopedschlüssel noch auf er Kiste steckt. F***  Und das auf dem ersten Parkplatz seit der Reise, auf dem ich ein wirklich schlechtes Gefühl hatte, weil ein junger Bursche an einzelnen Autotüren probierte, ob sie offen sind.-heute scheint ja alles schief zu gehen. Leute! So schnell kann man rennen. Über Leitern, durch dunkle Felsspalte, Felsbrocken runter, an Dornenbüschen vorbei, über den nächsten Hügel. Ich fliege, ich schwitze, ich stolpere. 15 Minuten - ein Viertel der Zeit des Hinwegs und der Schlüssel steckte noch.UFF!

Nochmal will ich nicht losgehen, mir reichts an Fehlversuchen und dann weiß ich was mir eigentlch noch fehlt. Porno! 
Kirchen, Fabelwesen, Schluchten, aber die Pimmel hab ich noch nicht gesehen. 
Also Gas auf und los.
Love-Valley...
Nicht weit hinter dem Ort geht eine Sandpiste ab, über die es sich aber ganz gut fahren lässt, und nach einigen Kilometern reißt die Ebene wie ein canyonmäßiges Tal auf und dutzende von monströsen Lustobjekten zeigen den Weg gen Himmel. Wer bei dem Anblick nicht auf erotische Gedanken kommt, dem kann nicht geholfen werden, den bemitleide ich um sein asexuelles Dasein. Ich lustwandel herum, schieße Fotos und muss wohl nicht erwähnen, das ich es mir nicht verkneifen kann, ein MMS an meinen Süßen zu schicken. Ganz ohne Kommentar.

... und die Bar mit Blick auf die Zeichen der Liebe
  Wie es der Zufall will, steht am Rand des Schlucht eine Bar, betrieben von einem blauäugigen, blonden Mittdreißiger... (im Film käme jetzt romantische Hintergrundmusik) Es scheint ihn nicht zu stören, dass ich verstaubt, verdreckt, stinkend und mit weißen Schweißrändern am Hemd vom Moped gestiegen bin. Ein durchdringender Blick aus seinen sanften Augen zeigt, ein verwegenes Lächeln und ich weiß: hier sollte ich heute noch landen. Mit seinen muskulösen braungebrannten Armen, die seine T-Shirt Ärmel spannen lassen, presst er mir einen frischen O-Saft. Ich scheiß auf die Darmflora. Wir flachsen rum, machen Fotos und unterhalten uns lange über die Liebe und über das Leben. Die Sonne taucht die Kulisse in rötlichen Kitsch, mein Moped zeichnet sich als Sillhouette gegen den Sonnenuntergang ab und im Tal unter uns geizen die Ständer nicht mit Botschaften der Liebe. Er legt eine eine CD mit kurdischer Chill-out-Musik auf, so dass ganze Luft nur noch von der untergehenden Sonne und den leichten Tönen erfüllt ist und wir... nd später...

Hey – so wars wirklich! Und so laufen Groschen-Liebesromane! Ich hab nur den Bus mit den Japanern weggelassen, die ich sogar bitten musste den Motor auszuschalten, damit es nicht so laut ist. Und die italienische Mountainbikegruppe, die Fotos von mir und meinem Drecksbike gemacht haben. Und die Busfahrer, die mir in epischer Breite den Weg nach Nemrud erklärt haben und mir Türkeikarte Nr 5 geschenkt haben.
... später, hab ich ganz unromantisch einfach zwei CDs gekauft habe, er hat mich abends mit Stefan zum Barbeque eingeladen hat und ich bin gefahren.
Trotzdem – ein Ort der Wonne und des Friedens, der Entschleunigung und der Liebe. Ein Ort, den ich jederzeit und jeder Kirche vorziehen würde.

Und so ziehen jeden Morgen ab 6 Uhr die Ballons -gefüllt mit Touristen, deren Geld zu locker sitzt- über das romantische Kappdokien und brüllen einen mit ihren dumpfen Gasstößen aus dem Schlaf, weil sie direkt neben unserem Campingplatz startetn. Ich brauchte drei Morgen, ehe ich ohne Hassgefühle aufstehen und Fotos machen konnte.

Mittwoch, 8. August 2012

MännertauscH

Ben und Stefan in Istanbul
 
Frauentausch hat es bis ins Fernseh´n quer durch die Republik geschafft. Männertausch hoffentlich erstmal bis Indien und mit happy-end. Dann möchte ich unbedingt meinen geliebten Mann wieder haben. Nicht dass ich seit dem Partnertausch ein unangenehmes Reisen habe. Im Gegenteil. Aber es wird sehr deutlich, warum es genau der Eine ist, den man sich fürs Leben ausgesucht hat :-)


Highway m Landesinneren, wo der Teer noch nicht geschmolzen ist
 
Stefan fährt mein Tempo ist, besonnen und rücksichtsvoll, braucht Pausen in der gleichen Fequentierung wie ich, hat ne gute Orientierung und macht beim Fahren regelmäßig Zeichen von „super hier“ oder „alles prima“. Besser geht nicht.
Highway im Landesinneren, wo der Teer noch nicht angekommen ist

Aber manchmal fehlt mein Partner, dem ich mit kurzem Gasstoß mal abhaue, oder der selbst mal den Hahn unbesonnen aufreißt, sich vordrängelt, sinnlos überholt - einfach nur so aus Spaß am Hahn-aufreißen. Mir fehlt der, der sich durch den dicksten Stau schlängelt, das grad noch ne Briefmarke zwischen LKW und Seitenkoffer passt, dabei manchmal vergisst, das ich breiter gebaut bin und dabei locker bleibt. Der, der trotz Warn- und Verbotsschilder ne unübersehbare Autobahnabsperrung übersieht, die Baustelle durchfährt und so 20 km Umweg umgeht. Oder, der nen Fußgängerüberweg bei Rot als Abkürzung nimmt, ohne so ganz sicher zu sein, ob dahniter vielleicht doch Treppen zu bewältigen sind. Und der, der im fettesten Istanbul-traffic-jam auf dem nicht vorhandenen Seitensreifen hält, sich voll Gottesglauben auf Überlebenschance mit den Worten „Ne kurze Pause“ ne lange Kippe ansteckt und dabei lächelt. Überflüssig zu bemerken, dass ich mich in dem Moment nicht zwischen Todesangst und Hass entscheiden konnte und daher einfach mitgeraucht hab. Mir fehlt auch der, der sich bei Pausen mit mir auf den Randstreifen irgendeiner Raste zwischen Wohnmobile und Parkstreifen knallt, einfach die Schnauze hält und meinen Kopf streichelt.

Griechenland

Der, der mit mir im Schatten von verschrotteten Bussen verschnaufen will und der nach einem Blick auf die „lost-Lokation“ und einen Blick in meine Augen erst mal ne gemeinsame Forschungstour mit Fotosession startet. 

 

Mit Ben im Nirwana von Albanien auf der Suche nach einer Abkürzung


Manchmal fehlt auch der, der die Orientierung verloren hat, sich weiter durchwuselt, fragt, nicht aufgibt, sein Ziel verfolgt...
dann an einsamsten Orten landet...
dann etwas krampfhaft sein Lächeln wiederfindet ...
aber den Weg trotzdem verloren hat... ;-)





 
Stefan wartet den Campingplatz (wenn da irgendetwas zu warten gab...)
Auch sind Stefan und ich uns sehr einig darüber, was unsere Übernachtungsorte angeht. Das kann preiswert und ruhig mal verschrammelt sein, darf dann auch wieder mal ne kleine Pension im hübschen Ort sein. 



...ich warte meine Kleine


 

Eigentlich bin ich auch froh, das ich mein Eineinhalb-Mann-Zelt jetzt wieder mit mir und den für Frauen lebenswichtige Utensilien bewohnen kann. 


Aber schön wars schon, die Haut des geliebten Menschen neben sich zu spüren und bei Körperkontakt unfreiwillig aneinander zu kleben oder nachts nackt auf zwei Quadratmetern gemeinsam in die Schlacht gegen Moskitos zu ziehen. Oder sich in weißen Laken unter der Klima genüsslich um sich selbst zu wälzen, um dann zu merken, dass der Trampelpfad am Fenster vorbei ein hochfrequentierter Gehweg der gesamten albanischen Großfamilie ist.


Stefan macht auch Witze, kann ganze Gruppen zum Lachen bringen und lustige Geschichte erzählen. 

Haiga Sophia - das Sprungfoto fehlt leider
Ben in griechscher Verkleidung
Aber wie schnell hab ich mich daran gewöhnt, an Souvenierständen peinliche Fotoserien von bescheuerten Sonnenbrillenportraits zu schießen, bis der Besitzer mit grimmiger Visage Verleihgebühr fordert, oder an heiligen Orten unheilige Motive einzufangen. Wir sehr vermisse ich es mit Ironie und Sarkasmus außergewöhnliche Situationen zu übertreiben oder Menschen zu überzeichenen, ohne dass der tadelnde PC-Zeigefiger (Yea! - Ferien vom pädagogischen-wertvollen-Gleichmachen) gehoben wird.




...jajaliebeDoro - long live Rock´n´Roll...
 Und was auch so richtig dazugehört, ist abends gemütlich einen Absacker zu trinken und mit Witz und Humor den Tag revue-passieren und ausklingen zu lassen. Ja – die Suche nach flüssigen Bölkstoff kann hier in Zeiten des Ramadan zu einem rituellen, abendfüllenden Spiel werden. Und der Gewinner erhält ein kühles erfrischendes Bier. Als Kinder nannte man das Schnitzeljagd und als Trophäe gab es Gummibärchen. Heute hat sich nur der Ort und der Name der Veranstaltung verändert. Der Spaß und das Ziel aber bleibt der gleiche. 
Ein zweites Bier kann dann auch schonmal ein Zeichen von Genuss und Freude sein und spiegelt je nach der Situation soziale Kompetenz oder Völkerverständigung wieder. Nicht aber ein Alkoholproblem. "Beer and cigarettes are kurdish", sagte gestern Erkan, unser Ararat-Bergführer, zu mir, als ich mir Sorgen um mein Image machte. Er erklärte im selben Atemzug, dass er morgen mal Ramadan machen würde und saß heut morgen mit frischer `ciggarette` vor unserem Hotel.

Was morgen ist wird halt manchmal auch erst morgen entschieden.


Aber heute wird erstmal das Hier-und-Jetzt gelebt, Geschichten in der anderen Welt erlebt und anschließend erzäht. Und ich mache heute NIX außer schreiben, ordnen und später mal gemütlich in den Hamam dackeln, der gestern - Allah weiß warum - für Frauen geschlossen hatte.

Dienstag, 31. Juli 2012

ZweiwochenmitbebisistanbuL

drei wochen unterwegs mit zu wenig internet. also hab ich nur so geschrieben und das war die erste zeit mit ben. mittlerweile bin ich eine woche mit stefan unterwegs und ich versuche bilder zu verkleinern, zu schreiben und zu ordnen und zu speichern, was zwar resettet und gut tut, allerdings auch zeit dauert.
außerdem hab ich natürlich nur bider von ben, und ungekehrt. aber ich war da - ehrlich ;-)
hier in epischer breite die erste zeit, allerdings ohne den chaostag in münchen, wo ich ALLE papiere verloen hab und dachte, dass meine reise vor der haustür endet. gott sei dank gibt es ehrliche finder, die sowas sammt geld bei der polizei abliefern. DANKE.
rike: das war dein erster schutzengel ;-)



Montenegro und zwei Tage Pause.

Mensch was sind wir gefahren. Durch Österreich und Slowenien war´s noch einfache Kilometerfresserei. Gashand auf, kurze Tankstopps fürs Möppi oder für uns, wobei der Cola- und Schokoladenkonsum anfing den meines Jahresdurchschnitts massiv zu übersteigen, und im Voraus eingeplante Stopps wurden einfach nur links liegen gelassen. Zu sehr saß uns die Zeit und das Ziel im Nacken. Ein selbst auferlegtes Druckmittel, was jeder normale Mensch im Urlaub tunlichst vermeiden sollte. Wissen wir! Haben wir hundertfach drüber gesprochen. Die Frage ist hier dennoch, wer hier wen reitet. Wir die Mopeds, die Zeit uns, der Teufel die Zeit oder wir uns....? Gut zu wissen, dass wir uns alles so ausgesucht haben.
In Slowenien landeten wir am zweiten Tag an einem recht idyllischen Campingplatz an einem Meeresbusen, den wir von der Autobahn erahnt oder erhofft hatten. Ich liebe unsere telepathische Kommunikationsebene: Hatten wir auf der Raste vor zwei Minuten beide fest beschlossen noch ca achtzig Kilometer abzureißen, genügte nun ein Blick von der Autobahn auf den Meeresbusen ein Nicken mit dem Helm und wir waren uns einig. „Hier und jetzt ist Schluss für heute“.
Bei kühlem Bier am Wasser und mit Blick auf den Sonnenuntergang wussten wir, dass die Entscheidung gut war und es stellte sich das erste Mal ein Gefühl von Urlaub ein. Mir wurde so langsam dämmernd bewusst, dass wir das Tempo unseres Urlaubs runter und den Anspruch rauf schrauben müssen, um nicht den angestauten und für normal empfundenen Alltasstress in die freie Zeit zu übertragen.
Ab Kroatien haben wir dann also den einen und anderen Strand mitgenommen und es geschafft die Strecke Autobahn genießen können. Nagut - nicht nur weil der kroatische Highway durch wirklich hübsche Landschaft zieht, sondern auch, weil meine Kiste leider ab 6000 Umdrehungen einen Hitzekoller bekommt und die rote Warnleuchte uns zur Entschleunigung zwingt. Aber manchmal sind extrinsische Motvationen hilfreich um intrisisch reagieren zu können. So suchten, fanden und durchcruisten wir hervorragende Küstenstraßen in der Gluthitze, tranken hie und da ne eiskalte Cola, überschütteten uns wenn die Hitze us zum kollabieren brachte mit kaltem Wasser, überschritten Grenzen, kauften überall n Aufkleber und in Bosnien Herzegowina noch die eine oder andere Packung Zigaretten und genossen das Fahren.
Am vierten Tag statteten wir Dubrovnik einen Alibibesuch in brütender Hitze ab, und anstatt uns dem mittelaltrlichen historisch bedeutsamen Gemäuern zu widmen (sorry Mam), legten wir es eher drauf an in Reichweite der Brunnen zu bleiben, um zum Erstaunen der Touristenscharen unsere glühenden Körperglieder samt Shirt; Mütze, Hose und Stiefel zu halten, bis wir völlig durchnässt die nächsten paar Minuten, bis zur Verdunstung des Nasses, eine Ahnung von Kühle erfahren.

Und weiter ging´s bis Montenegro. Das erste Land von dem ich erwartet hatte, dass wir in eine neue Welt eintauchen, der eher eine Armmut anzusehen ist und die Müllberge zunehmen. Pustekuchen. Ich liebe es davon überrascht zu werden, wenn sich Vorurteile als Irrglauben entpuppen. Modern, peppig und weltoffen kam das kleine Land daher. Im Norden herrscht bescheidener Tourismus vor, nette Unterkünfte nicht so hoch und bombastisch gebaut, und überall ist der Versuch von ökologischem Bewusstsein zu entdecken. Nicht nur weil Müll getrennt wird uns das Pfand auf der Flasche Bier so hoch ist, wie das Gesöff selbst. Man spürt, dass Montenegro versucht seinem (selbst ernannten) Ökostaat gerecht zu werden. Aus einfachen Mitteln wird eine gemütliche Wohlfühl-Atmosphäre geschaffen. Leider sind Mülleimer rar für die Ökobillanz weniger vorgesehen, aber das kommt wohl noch, wenn die Strände hier auch mit knallbonbonbunten militärisch aufgereihten Sonnenschirmen gepflastert werden. Zu unserer Verwunderung regiert der Euro.

Und dann will ich nicht mehr.
Fünf Tage ohne Ruhepause, ohne Zeit für sich. Ich rebelliere und pfeife auf die das Treffen der neuen Bekanntschaft aus Dubrovnik in Albanien und irgendwie war uns auch recht schnell klar: eine Auszeit in der Auszeit muss her. Und so sind wir uns schnell wieder mal einig, schütten abends am Kiesstrand kräftig Bier in uns hinein, schauen den Sternen zu, schwimmen und reden allerlei sinnloses und bedeutungsschwangeres Zeug.  Als die Dosen leer sind tigern wir auf einen Caipi in die Nobelbar und weil der Caipi nicht schmeckt noch in die Proletariatsbar gegenüber, bis wir schwankend und voll mit Urlaubsgefühlen heimwärts torkelten. Und am nächsten Tag geht die Entschleunigungstherapie weiter. Wir verschwenden unsere Zeit, fühlen uns nützlich, weil wir mal kurz über den Tank der Mopeds streicheln und den Ölmessstab eintauchen. Danke Hebbi, dass du mi das Kette schmieren agenommen hast. Stundenlang Telefonnummern ins Zweithandy zu übertragen kann zu einer bedeutenden meditativen Aufgabe werden, Wäsche waschen bringt pure Entspannung, Haut an Haut sich den Schattenplatz mit Einheimischen unter einem Oleanderbusch am Strand teilen das nötige Gefühl von Alltagsabstand und als nach einem leckeren gegrillten Fisch am plätschernden Wasserfall der Tag in der Proletariatsstrandbar ausklang merke ich endlich: Urlaub.

Es folgt ein Fahrtag. Gestartet wird morgens um halb acht, weil wir endlich mal nicht in der Gluthitze unterwegs sein wollen um nach echten (!) neun Minuten den ersten Stopp für einen doppelten Espresso einzulegen. Weiter gehts auf der Suche nach einem wärmstens empfohlenen Pass, der sich über 25 Haarnadelkurven nach oben schrauben soll und einen atemberaubenden Blick über den Bay of Kotor bietet. Nachdem wir einige Ehrenrunden an dem mittelalterlichen Kotor neben verlassenen Fabrikgebäuden mit avantgardistischem Charme gedreht hatten, finden wir tatsächlich den Einstieg. Meine Panik wegen der warnenden Hinweise bezüglich der legendären Haarnadelkurven aus dem Reiseführer verschwindet, denn in meiner Vorstellung habe ich kleinste Windungen wie in den schlimmsten Gegenden der Seealpen erwartet, bei denen ich mich sehnlichst in einen Pauschalurlaub mit Hoteltransfer gewünscht hatte. Hier aber genießen wir das Fahren auf der gut ausgebauten Straße, die in den Kurven so weitläufig wurden, dass man blind mit einem Roadtrain hindurch flitzen hätte können. Ab der dritten werde ich entspannt, ab der sechsten höre ich das Hupen vor der Kurve auf und an der zwanzigsten finde ich es schade, dass ein Ende in Sicht ist. Nein ich habe nicht mitgezählt - die Kurven sind nummeriert. Anschließend schlängelt sich die Straße durch alpin anmutendes Gelände, dass man den Lenker und die Seele baumeln lassen kann. Gut. Dieser Ausflug kostete und mindestens zwei Stunden, Aber das hatte sich wirklich gelohnt.
Und dann kommt Albanien.
An der Grenze wird das erste mal nach meinem KFZ-Schein gefragt, der mittlerweile hoffentlich auf dem Postweg nach Istanbul ist. Jetzt heißt es selbstbewusst schauen, unschuldig lächeln und den internationalen Schein zücken. Ich schaute selbstbewusst, ich lächelte unschuldig und zückte den Schein.
„NO“ war die Reaktion des Grenzbeamten.
“YES“ konterte ich. „Its a special one – speciale! International!“
Lächeln.
Ich kenne die ablehnende Haltung aus Marokko.
Der Grenzbeamte schüttelt den Kopf, holt seinen Kollegen und gemeinsam wird gerätselt, gesucht, und in den PC getippt. JA, es ist heiß, mir wird aber noch heißer und ich wartete.
Lächelnd wohlgemerkt, was eine Muskelbewegung zu sein scheint, die dem Grenzbeamten völlig abhanden gekommen ist. Botox billig eingeschmuggelt??
Den Vorgang der Verifizierung kann ich nicht beobachten, aber anscheinend wird irgendwann die letzte aufklappbare Seite in meinem geheimen Dokument entdeckt, das Rätsel wird gelöst, die Papiere werden Ben gereicht (hier gehts schon los!!! das Land der Machos und Langraushänger!!) und wir dürfen passieren. Gimme fife.
Albanien empfängt uns mit vertrockneter Landschaft, zerfallenen Häusern und extrem dunkelhäutigen Romafamilien, die in der Hizte scheinbar unbeeindruckt teils sogar barfuß an der Straße spazierten. Das Land begrüßt uns also mit dem vollen Paket der Vorurteile.
„Ich will das nicht“, schreit es in mir und in dem Moment stellte ich erleichtert fest, das zum ganzen Programm auch Taschendiebe an jeder Ecke und die legendären kaputten Straßen hätten gehörten müssen.
Wir fahren Richtung Shkodäer, hinein ins Verkehrschaos, was sich dank der Mittagshitze zum Glück in Grenzen hält, tauschen munter Geld, überschütteten uns im Minutentakt aus dem Camelback mit Wasser und essen endlich was... nämlich Eis. Nicht nahrhaft aber kalt. Und dann geht´s gen Süden. Und endlich endlich, erfüllt sich das erste Klischee: die Straßen! Sie kommen mit voller Wucht und schnell wird mir klar, dass ich das Federbein noch härter einstellen muss, dass ich am Besten noch Ballast loswerden muss und dass man auf keinen keinen Fall auch nur eine Sekunde zu lang die Landschaft anschauen sollte. Denn irgendetwas kommt IMMER...

Ein Geisterfahrer auf der Autobahn in der Baustelle erschreckt nur Ben kurz und entrüstet den Polizisten. Alle anderen fahren ohne Lenkerzucken oder Hupen vorbei. Pferdefuhrwerke auf der Autobahn, Bodenwellen, Schlaglöcher und Schotter sind Alltagskleinigkeiten. Auch dass die Gullideckel nicht nur handtief eingelassen, sondern zur Abwechslung auch mal handhoch ausgelassen verarbeitet werden, hab ich festgestellt.
Ein plötzlich ohne Vorwarnung über hunderte von Metern fehlender Straßenbelag irritiert mich allerdings heftig, zumal in Blitzsekunde entschieden werden muss: die eigene Spur und mehr als handtief runter auf den Schotter oder auf die Gegenfahrbahn. Das mit der Gegenfahrbahn klappt, bis ein Bus kommt und irritiert aufblinkt, anscheinend darf geister-gefahren-werden nur auf zweispurigen Straßen.
Aber was heißt Spuren. Spuren gibt’s nicht. Spuren werden gemacht. Und wenns nicht passt, wird’s passend gemacht. Und so bekommt man auf nach deutschem Maß kalkulierte drei Spuren auch mal untere Einsatz der Hupe problemlos fünf hin.
Besondrs reizvoll ist allerdings unser Ausflug in die albanische Pampa. Die eigentliche Abzweigung zu Nebenstraße finden wir nur mit Hilfe eines Taxifahrers, der für einen überteuerten Preis vorfährt. Erstmalig wünsche ich mir meine alte WR zurück und bete, dass keiner guckt, wenn ich falle. Leute gucken und ich falle nicht. Und das ist noch Stadtgebiet! Endlich führt eine Schotterpiste in eine passende Richtung. Ben und ich werden begleitet von zwei Garmin und einer Karte und da wir nicht kontaktarm sind, fragen wir auch noch jeden Menschen der uns begegnet und nach vorhandenen Hirnwindungen aussieht. Chancenlos! Wir fahren Pisten und Steinwege, über Rinnsale und provisorische Zufahrten. Aber wir enden im Nirgendwo auf einer endlos wirkenden Steppe. Tief unter uns lächelt uns die Küstenstraße zu, auf der wir vor einigen Stunden schon genüsslich gen Griechenland zuckelten. Aber wir Dickköpfe wollten ja unbedingt durchs Landesinnere. Nach gefühlten fünf Stunden bittet Ben um Aufgabe – kein Wunder bei den Sliks die er fährt - und ich hab nicht nur gerne ein Einsehen, sondern weiß auch bis heute nicht, wie er 2000 km später mit Arthur und immer noch denselben Reifen die rumänischen Karpatenpisten bezwungen hat. Aber das scheint ein Geheimnis unter Männern zu sein.
Jedenfalls landen wir doch wieder auf der Küstenstraße, beschließen von Vlore nicht nach Gjirokastar, sondern nach Saranda zu fahren und sind in den Abendstunden auf landschaftlich (nicht straßentechnisch) wunderschönen und abwechslungsreichen Küstenpässen, bei denen mich das Hinabschrauben am Parku Lombetar i Llogarase sehr stark ans Stilfser Joch erinnert, nur mit Blick aufs Meer. Ich trage eine neue persönliche „Traumstraße der Welt“ in mein Memo ein.
Am nächsten Tag geht’s zu Peter und Petra nach Griechenland, außer Hitze und dementsprechendes Abhängen, was wir tugendhaft als Erholung definieren, und abends drei bis sieben bier bei Phillipos, gibs nichts und wir wollen auch nichts. und dann düsen wir straight, mit einer Nacht als Heckenpenner am Feldrand, nach Istanbul.





Donnerstag, 3. Mai 2012

DontdreamitbeiT


ämterrennerei:

 ausweise-passbilder-bürgschaften-ummeldungen-informationen-zertificate - und alles in mindestens fünffacher ausfertigung, damit der spaß auch bleibt

mopedschrauberei:
ketten-scottoiler-werkzeugbox-flüssigkeiten-anbauteile-navihalterung - und immer ist das bessere des guten feind, also wieder von vorne

schule: 
klassenarbeiten-schlägereien-korrekturen-projektwoche-klassenfahrt-konferenzen - und nie den lernfaktor vergessen

freunde: 
knappezeitfenster-wenigtelefonate-abgesagtetermine-dreiuntereinemhut - und auf vollstes verständnis hoffen